Catherine Bosshart-Pfluger leitet ihre bemerkenswerte Dissertation (1983, erschienen im Verlag Friedrich Reinhardt) über das Basler Domkapitel von seiner Übersiedelung nach Arlesheim bis zur Säkularisation (1687-1803) mit einer zwar amüsanten, doch im Falle von Arlesheim einseitigen Einschätzung der Domherren (im Allgemeinen) durch Freiherr von Knigge ein:

"Zu Domherrn braucht man grössthenteils nur Apetit zum Essen und Trinken, muthwillige, ein wenig faunische Laune, und Stillschweigen über gelehrte Gegenstände mitzubringen". Dies rät Freiherr Knigge für den Umgang mit Domherren. er war Zeitgenosse einer ganzen Reihe solcher Herren und man könnte versucht sein, von ihm als einen Augenzeugen diese Darstellung anzunehmen. Seine Charakterisierung der Domherren, die ein Bild eines nur den lukullischen Genüssen hingegebenen, sonst aber anspruchslosen Standes entwirft, sieht aber wie die meisten pointierten Formulierungen nur die eine Seite der Zustände in Domkapiteln.

Tatsächlich waren nicht alle Domherren, die in Arlesheim wirkten, von untadeligem Charakter. Schlechte Zensuren gibt Catherine Pfluger-Bosshart (Seiten 125 ff.) dem Domherrn und späteren Pariser Erzbischof Gobel, der von einem französischen Revolutionsgericht zum Tode verurteilt worden war:

Gobel brauchte Geld, sehr viel Geld, um seinen luxuriösen Lebenswandel aufrechtzuerhalten und seine Verwandten zu fördern. Nur aus seinem Streben nach immer höheren Positionen und grösseren Einkünften heraus lassen sich seine diplomatischen Vorstösse am kaiserlichen Hof und beim französischen König erklären, die einem Verrat am Fürstbistum Basel gleichkamen.

Bosshart-Pfluger kommt zum Schluss:

Zieht man in Erwägung, dass Gobel leichtfertig Gebiete der Diözese veräussern wollte und das Fürstbistum dem Kaiserhaus zum persönlichen Machtgewinn antrug, drängt sich die Feststellung auf, dass hier ein Intrigant am Werk war, der weder die Konsequenzen seiner Handlungen abschätzen konnte, noch von politischer und kirchlicher Verantwortung seinem Fürstbischof gegenüber durchdrungen war. Sein tragischer Tod auf der Guillotine in Paris erstaunt bei seinen nur auf Eigengewinn und Selbsterhöhung gerichteten Plänen nicht.