Im Basler Erasmushaus kann zur Zeit (11/06) ein Basler Bistumskalender erworben werden (für Fr. 6000), der vom renommierten Antiquariat und Auktionshaus ausführlich beschrieben wird. Die allgemeine Beschreibung hat für alle Bistumskalender Gültigkeit (Quelle).
Ca. 1915 × 940 mm. Grosser, aus drei separat gestochenen Platten zusammengesetzter Rahmen mit aufgesetztem, in rot und schwarz gedrucktem Kalenderblatt für das Jahr 1779. (255 × 176 mm). Alt aufgezogen und gerahmt. Augsburg, Gebr. Klauber [d.i. Johann Baptist Klauber], 1779. Letzter Basler Bistumskalender, mit allen Original-Apliquen und dem Kalenderblatt aus dem Jahr des Druckes. Die grossformatigen Wandkalender wurde im Auftrag der Bischöfer in einer kleinen Auflage von ca. 100-150 Exemplaren gedruckt und an weltliche sowie geistliche Notabeln des Bistums geliefert. Um Änderungen im Bistum gewachsen zu sein, wurden die zeitgebundenen Elemente separat gestochen (oder im Falle des Kalenderblattes: gedruckt) und in den grossen Entwurf eingefügt. Die separat applizierten Elemente sind in diesem Fall: das Portrait des Erzbischofs, 18 Wappenkartouchen von Notablen sowie das Kalenderblatt des Jahres 1779. Der Bistumskalender ist der letzte seiner Art, d. h. für die beiden folgenden Fürstbischöfe, die letzten vor der Mediation des Bistums, wurde der gleiche Entwurf verwendet. Hergestellt wurde der Kalender in der Druckerei Gebrüder Klauber in Augsburg. Die nach dem Tod seines Bruders Joseph Sebastian 1769 alleine von Johann Baptist Klauber (1712-1787) geführte Kunsthandlung war, im Gegensatz zu den meist evangelischen Augsburger Kunstverlagen, ein spezifisch katholisches Unternehmen. Dem entsprechend brachte der Verlag auch hauptsächlich Andachts- und Wallfahrtsblätter, biblische Stiche und Heiligenbilder heraus. Unter ihren zahlreichen kulturhistorisch interessanten Stichpublikationen ragen die Wandkalender wegen ihrer künstlerisch hochstehenden Qualität heraus. Entworfen wurde der Bischofskalender vom Augsburger Freskenmaler und Radierer Joseph Ignaz Huber (1737-1815). Sein Entwurf gliedert sich in zwei Hauptteile: den architektonischen Rahmen für das Kalenderblatt und den reich ausstaffierten "Bistumshimmel". Im Zentrum des Himmels, der das obere Drittel des Kalenders beherrscht, schwebt das Portrait des Fürstbischofs von vier Engeln gehalten. Darüber erscheint Maria mit Kind auf einer Kugel stehend. Zu beiden Seiten der Muttergottes, auf einer Wolkenbank lagernd, sammeln sich für das Bistum relevante Heilge und Würdenträger: Hl. Morandus, Hl. Pantaleon Hl. Imier, Hl. Randoald, Hl. Ursula, Hl. Germain, Papst Leo IX. Ihre Namen figurieren auf einem von Engeln gehaltenen Band. Eine Wolkenbank weiter unten, zu beiden Seiten des Portraits, Kaiser Heinrich mit dem Modell des Basler Münsters und Kunigunde. Unter dem Bistumshimmel, auf der Bekrönung des Triumphbogen, stehen Temperantia, Justitia, Prudentia, Innocentia und Fides sowie die vier Jahreszeiten in der Gestalt von Putti. Auf dem Fries, der die Bekrönung ziert, sind die Wappen der wichtigen Orte des Bistums angebracht: Franches-Montagnes, Elsgau, Birseck, Zwingen, Delémont, Bienne, La Neuveville, Saint-Ursanne, Pfeffingen, Erguel, Moutier-Grandval und Schliengen. Im Zentrum der Bekrönung erscheint eine bekrönte Kartusche mit dem Wappen des Bistums. Darunter der vollständige Name und Titel des Bischofs. Die Bekrönung ruht auf vier Säulen auf denen die Familienwappen der 18 Mitglieder des Kapitels angebracht sind. Zwischen den inneren Säulen hängen 6 Medaillons mit den Wappen derjenigen Familien, die Träger erblicher Ämter des Bistums waren. Darunter, in den mittleren Bogen eingestellt, hält eine geflügelte Figur (eine Kombination von Janus uns Chronos) ein grosses Blatt, auf welches das Kalenderblatt des jeweiligen Jahres aufgeklebt werden konnte. In unserem Fall ist der Kalender für das Jahr 1779 appliziert. Die Durchsicht zwischen den Säulen gibt den Blick auf eine offene Landschaft mit einer schönen Ansicht der Stadt Porrentruy frei. Die stattliche Triumphbogenarchitektur ruht auf einer hohen Plinthe auf der eine Ansicht des Bischofssitzes Arlesheims angebracht ist. Zwei Figurengruppen zur Linken und Rechten personifizieren die natürlichen Ressourcen des Fürstbischoftums: Diana steht für die Jagd, Pomona und Ceres für die Früchte des Ackerbaus, die beiden lagernden Flusspersonificationen für Wichtigkeit der Quellen, Flüsse und des Fischvorkommens. Dazwischen, unter einem Bogen, erblickt man die für das Bischofstum wichtigen Wirtschaftszweige: Fabriken, Mühlen, Giesserein etc. Die Komposition schliesst mit einem Jagdstilleben ab. Der Kalender wurde gefirnisst und zu einem späteren Zeitpunkt aufgezogen. Ausser unbedeutenden Schabstellen und einem winziges Loch im oberen Teil insgesamt von bemerkenswert guter Erhaltung.
Quelle: www.erasmushaus.ch - November 2006