Odilienkult
Copyright Text: www.arlesheim-dom.org
Mit dem Herzen fühlen
Nach ihrem Tod sollen, so die Legende, Mitschwestern durch inständiges Gebet Odilia noch einmal ins Leben zurück gerufen haben. Odilia öffnete die Augen und beschied den Mitschwestern:
Warum seid Ihr besorgt? Ich habe bereits gesehen und gehört, was man mit Augen nicht sehen und mit Ohren nicht hören, sondern nur mit dem Herzen wahrnehmen kann.
Darauf nahm sie den Kelch und starb.
Fürsprecherin des Lichts
Odilia wird meistens im Gewand der Äbtissin dargestellt. Ihr zugeordnet sind die Attribute Kelch, Stab und ein Augenpaar. Sie war eine der meistverehrten Heiligen des Mittelalters. Noch heute finden Wallfahrten zu ihr geweihten Orten statt, um bei Augenleiden und anderen Beschwerden ihre Fürsprache zu erbitten. Odilia findet für ihre verinnerlichte Gläubigkeit auch die Verehrung von spirituell Zweifelnden, die sich nach dem Licht des Glaubens sehnen. Diese mythenbildende Wundererwartung hat ihre Wurzeln im christlich-religiösen Kern der Legende mit der Bekehrung des glaubenslosen Vaters durch inständiges Gebet. Gelegentlich wird Odilia von einer alternativen Glaubensszene zur vorchristlichen Göttin stilisiert und die Arlesheimer Eremitage als eine magische Kultstätte betrachtet. Diese heterogenen Randformen der Verehrung sind von subjektivem Erleben getragen und entziehen sich einer Realitätsprüfung.
Odiliensegen
Der kirchliche Gedenktag der Odilia ist der 13. Dezember. Am Patronstag wird in Arlesheim der Odiliensegen gespendet:
Durch die Fürbitte der heiligen Odilia bewahre Dich Gott vor der leiblichen und seelischen Blindheit.
In neuerer Zeit versucht die römisch-katholische Kirchgemeinde eine Wiederbelebung der sich an Wallfahrtstraditionen orientierenden Kultur der Bittstellung. Die Votanten hinterlassen auf dem Odilienaltar ihre schriftlich festgehaltenen Wünsche und entzünden anschliessend eine Kerze. Dieser "Brauch" hat im Arlesheimer Dom jedoch keine Tradition.
Siehe auch den Beitrag hier.
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