Eduard Strübin, der unvergessene Baselbieter Lehrer, der zugleich beseelter Volkskundler, unermüdlicher Chronist und hervorragender Fotograf war, schrieb 1991 in seinem Buch "Jahresbrauch im Zeitenlauf, Kulturbilder aus der Landschaft Basel" (Verlag des Kantons Basel-Landschaft) zur Odilienverehrung in Arlesheim dies:

"Auch gegenwärtig ist die Verehrung der Heiligen lebendig. Ihre gotische Holzfigur von ungefähr 1450, die aus der alten Pfarrkirche stammt, steht seit 1945 in einer Seitenkapelle des Doms. "Die bekrönte, gedrungene Gestalt trägt die Gestalt einer Äbtissin... In der Linken hält sie über einem mit Schliessen verschlossenen Buch eine Schale mit zwei Augen, die sie als Patronin der Blinden mit der Rechten segnet" (H. R. Heyer, Kunstdenkmäler). Fällt der Gedenktag der Heiligen (13. Dezember) auf einen Werktag, wird im Gebet der Tagesmesse Gott gedankt, der "den Blinden und Augenkranken in der heiligen Odilia eine himmlische Patronin gegeben" hat (Messbuch 867, Tagesgebet am Gedenktag der Hl. Odilia). In der Messe segnet der Priester das Odilienwasser, das sich in einem schönen Kupferkessel befindet. Die Gläubigen nehmen vom Wasser nach Hause; sie waschen oder betupfen damit die Augen. Das ist alte, nie unterbrochene Übung. Seit 1939 erteilt der Priester zudem am Schlusse der Messe dem Volk mit einer schöngefassten Reliquie von St. Odilia einen besonderen Segen: "Durch die Fürbitte der heiligen Odilia bewahre Euch der Herr vor jedem Augenleiden und führe Euch zum Licht des Glaubens". Die Reliquie, ein Geschenk des damaligen Bischofs von Strassburg, war am 17. Dezember 1939 nach Arlesheim übertragen worden."