Mit den Reformen der katholischen Kirche sind viele religiöse Bräuche und traditionelle Feierlichkeiten aus dem kirchlichen Alltag verschwunden, an die sich manche inzwischen mit etwas Wehmut erinnern. Der nachstehende Text ist den 2004 in Buchform erschienenen Erinnerungen von Eleonora Hänggi entnommen. Die 2009 im 94. Lebensjahr verstorbene Primarlehrerin hat mit ihren unzähligen Führungen den Dom und seine Geschichte vielen Menschen auf unvergleichlich anschauliche Weise ans Herz gelegt.

Prozession zu Fronleichnam

Die ganze Pfarrei freute sich, und bereitete sich auf das Fest vor. Die Ordensschwestern und Frauen sammelten bei vielen Familien Blumen zum Schmücken der Altäre. Die Männer stellten die vier Altäre auf. Am Festtag versammelte man sich im Dom. Nach dem Ende des Gottesdienstes verliess die Gemeinde die Kirche und formierte sich zur Prozession, in folgender Ordnung: Männer und Burschen, Kreuz und Fahne tragend //die Schulkinder und Erstkommunianten in Begleitung der Lehrer //die blümchenstreuenden Kindergartenkinder mit ihren Körbchen, begleitet von den ehrwürdigen Schwestern //die Ministranten mit Weihrauchgefäss und Kerzen //der Priester im festlichen Ornat mit der Hl. Monstranz, unter dem sogenannten „Himmel“ (Baldachin) //der Kirchenrat, gefolgt vom Kirchenchor //die Jungwacht und die Jungmannschaft mit Wimpeln und Vereinsfahne //der Blauring und die marianische Kongregation, ebenfalls mit Fahne //die Männer und erst zum Schluss die Frauen. In der Mitte schritt der Musikverein, der mit seinen getragenen Weisen für feierliche Stimmung, aber auch für das Marschtempo sorgte.

Die Altäre. Der erste Altar stand auf dem Vorplatz des Odilienheims, Liegenschaft Josef Leuthardt-Jeger, Kirchenrat. Dieser Altar war vom Besitzer schön bemalt worden. Die Familie Leuthardt sorgte auch für den Blumenschmuck. Der zweite Altar befand sich vor dem Friedhof, beim heutigen Trotteplatz. Für diesen Altar waren die ehrwürdigen Schwestern besorgt. Manchmal, z.B. wenn Bauarbeiten im Gange waren, wurde der Altar auf den Platz vor dem Haus des Malermeisters Leuthardt verlegt. Damals war die Liegenschaft Langenbach noch nicht erbaut. Dort stand ein schöner Baum und ein Brunnen. Der dritte Altar befand sich an der Ecke/Kreuzung Domstrasse-Hauptstrasse, beim ehemaligen Pfarrhaus. Er wurde betreut von der Familie Oskar Heller, und geschmückt von Sophie und Marie Heller. Mit zunehmendem Verkehr wurde der Altar verlegt, zuerst zum Wegkreuz am noch wenig verbauten Bruggweg, später auf die Nordwestseite des Schulhauses (gegenüber Ehingergut). Er wurde von der katholischen Lehrerschaft betreut.Der vierte Altar stand auf dem Domplatz oder in der Kirche. Während der Prozession wurde gebetet und gesungen. Die Häuser waren von ihren Besitzern mit Blumen und Bildern geschmückt worden. Bei jeder Station sprach der Pfarrer ein Gebet, erteilte mit der Monstranz den Segen, und alle Teilnehmenden knieten nieder. Der Kirchenchor sang ein passendes Lied. Die Zeremonien wurden andächtig und still begangen. Während der Segnung streuten die Kinder Blumen, und der Domplatz war mit Blütenblättern und Blumen bedeckt.Nach der vierten Station auf dem Domplatz zog man in die Kirche, die mit jungen Buchen entlang des Mittelgangs geschmückt war. Während der gesamten Oktav blieben die schönen Bäume stehen. Die ganze Pfarrei nahm mit Freude am Fest teil, und man gab sich alle Mühe, es schön und würdig zu gestalten. Es entstand so ein Gefühl der Zusammengehörigkeit, das heute oft fehlt. Als der Verkehr zunahm, und sich die Bevölkerung konfessionell immer mehr durchmischte, wurde die Prozession aufgehoben. Die Fahnen und der „Himmel“ dürften noch vorhanden sein.

 

Die Prozession zu Christi Himmelfahrt

Die Gemeinde zog vereint aus der Kirche, und formierte sich zur Prozession. Sie ging durch die Obere Gasse, am Andlauerhof vorbei, durch die Rebgasse. Bei der ersten Station (Villa Brodbeck) wurde Halt gemacht. Der Kirchenchor sang ein Lied. Der Priester las das passende Evangelium, und erteilte mit dem Wetterkreuz den Segen. Alle knieten nieder. Die Prozession zog dann weiter durch die Waldstrasse, am Waldrand entlang, zum Rüttiweg. Später zog man durch die neu gebaute Hangstrasse; so wurde der Weg kürzer, was bei dem oft heissen Wetter eine Wohltat war. Die zweite Station war beim Bildstöckli, das noch nicht überbaut war. Dieselbe Reihenfolge: Gesang, Gebet, Evangelium und Segen. Die dritte Station befand sich beim Wegkreuz am Bruggweg, wo nur Wiesen und Felder waren. Die vierte Station schliesslich war auf dem Domplatz oder im Dom. Während der Prozession wude gebetet oder gesungen, unterbrochen von Pausen der Stille.Nach dem letzten Konzil fanden keine Prozessionen mehr statt. Hinzu kam, dass der Strassenverkehr zu gross geworden war. Aber ganz verzichten auf die Tradition wollte man nicht. So ging die Prozession zum Wegkreuz am Mühlebodenweg, die einzige im Freien verbliebene Station. Dort wurde die Hl. Messe gehalten, und anschliessend wurden die Felder, Wälder und Gärten mit dem Wetterkreuz gesegnet.In den letzten Jahren wurde auf dem Dorfplatz ein ökumenischer Gottesdienst gehalten, bei schlechtem Wetter im Dom.

So ändern sich die Zeiten und Bräuche.