Die Eremitage

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Der grösste, im englischen Stil gestaltete Landschaftsgarten der Schweiz, die Arlesheimer Eremitage (Schreibweise auch Ermitage), verdankt seine Entstehung dem Einfluss der fürstbischöflichen Residenzdes Domkapitels. Die beiden Begründer, die Landvogtsgattin Balbina von Andlau und ihr Vetter, Domherr Heinrich von Ligerz, waren eng mit dem Fürstbischof von Basel, der damals in Pruntrut residierte, verbunden. Schloss Birseck war in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts als Vogteisitz endgültig aufgegeben worden, und so entstand die Idee, den Burghügel mit seinen Grotten und Felsen sowie das kleine Tal mit Bach und Fischweihern und Gehöften in eine romantische Anlage umzuwandeln.

Zuvor bestand bereits ein Plan, die bischöfliche Residenz in Pruntrut durch einen englischen Landschaftsgarten zu ergänzen. Solche Vorhaben wurden um jene Zeit begünstigt durch die von Rousseau, Gessnerund anderen propagierte Rückkehr zur Natur. Mit dem wildromantischen Konzept des englischen Gartens wurde dem streng gegliederten, künstlich zugeschnittenen französischen Garten entgegengetreten.

Die Einrichtungen der Eremitage, die 1785 entstand, haben Symbolcharakter und entsprechen nicht historischen Begebenheiten. So haben beispielsweise nie Eremiten in diesem Tal gelebt. Die Hütte des Eremiten, sein Garten mit einem künstlichen Wasserfall oder ein benachbarter Holzstoss, der sich von nahe besehen als eine Aussichtskanzel entpuppt, sind lediglich Sinnbilder für ein frommes Leben in weltferner Einsamkeit.

Geht man weiter, stösst man auf zahlreiche Grotten, die teilweise mit Figuren und Darstellungen aus der griechischen Mythologie ausgestattet waren. Manche Ausstattungen werden auch als Insignien von Freimaurerverbindungen gedeutet. Eine der Grotten wird mit der Legende der heiligen Odilia in Verbindung gebracht.

Bis zum Einbruch der französischen Revolution 1792 erfolgten immer wieder Veränderungen, die den Wünschen des Publikums entsprechen sollten. So entstanden etwa ein Tempel der Freundschaft mit 18 Sinnsprüchen in verschiedenen Sprachen und das Châlet Suisse, das eine Sennhütte symbolisierte.

Reisende aus ganz Europa machten in jenen Jahren Halt in Arlesheim, um die sentimental-pittoreske Stimmung der Eremitage zu erleben. Die Zerstörung des Landschaftsgartens 1792 durch pöbelndes Landvolk und ein Jahr später durch französische Truppen wurde von der Gesellschaft als grossen Verlust empfunden.

Zwischen 1810 und 1812 erfolgte ein Wiederaufbau, der weitgehend der ursprünglichen Anlage folgte. Weitere Einrichtungen wurden zugefügt, so ein neues Karussell auf dem Karussellplatz, eine römische Säule mit Sonnenuhr und die Sophienruhe, eine Holzhütte beim mittleren Talweiher. Auf manche frühere Attraktionen, etwa einen chinesischen Sonnenschirm oder eine künstliche Turmruine, wurde gleichzeitig verzichtet. Die Burgruine Birseck wurde in den Mittelpunkt gerückt, Rittersaal und Kapelle wurden neugotisch ausgestattet.

Bis heute hat sich die Eremitage in Teilen erhalten, was sie auch dem Umstand verdankt, dass die Anlage in eine natürlich-malerische Landschaft hineingebettet worden war. In den vergangenen Jahren wurde sie grundlegend saniert und ausgeforstet. Dies hatte zur Folge, dass sie zur Zeit wesentlich weniger wildromantisch Züge aufweist als noch vor einem Jahrzehnt. Dies dürfte sich erst mit den Jahren wieder ändern.

Die von esoterisch Bewegten in jüngerer Zeit betonte magisch-mystische Bedeutung der Eremitage beruht nicht auf ernstzunehmender Grundlage. Sie wird hier nicht weiter besprochen.

 Bitte beachten Sie auch die nebenstehende Rubrik Die Eremitage.


Quellen und weiterführende Literatur:

  • Ein ausführliches Kapitel über die Eremitage findet sich in: H.R. Heyer; der Dom zu Arlesheim (Schwabe, 1981), Seiten 91 ff.
  • Kunstdenkmäler Baselland (1969), Band 1; Beitrag von H.R. Heyer, Seiten 166 ff.
  • Isaac Iselin; Notizen zum Schloss- und Hofgut Birseck (Selbstverlag, 1955)
  • Eine informative Broschüre, herausgegeben von der Stiftung Eremitage, kann an einem "Automaten" beim Hofgut Andlau (auf dem weg in die Eremitage) bezogen werden. Sie führt auf einem lehrreichen Rundgang durch den Landschaftsgarten.
Im Internet: