250 Jahre Silbermannorgel, Vorspiel und kurzes Grusswort von Regierungsratspräsident BS, Dr. Guy Morin

29.8.2011; 18.00 Uhr, Dom in Arlesheim

Die Orgel von Johann Andreas Silbermann, fertiggestellt vor genau 250 Jahren im Dom von Arlesheim, ist ein "Königsinstrument". Es war eine Ehre und Freude darauf üben und spielen zu dürfen. Beim Orgelspielen muss mann die rechte Hand, die linke Hand und die Füsse miteinander verknüpfen, oder wie beim Choralvorspiel von JS. Bach "Ich ruf zu Dir Herr Jesu Christ", Positiv, Hauptwerk und Pedalwerk, 3 Stimmen zu einem Ganzen zusammenfügen.


So wie man Hände und Füsse zusammenbringen muss verlangt das Orgelspielen und jedes Musizieren die Eigenschaften von Kopf, Herz und Bauch.
 

Zum Kopf: Das Instrument oder die Musik erfordert Konzentration und viel Übung, oft auch Hartnäckigkeit. Die Schülerinnen und Schüler der Musikschule Arlesheim haben viel Arbeit für ihr heutiges Konzert investiert. Ich möchte Ihnen jetzt schon gratulieren. Sie müssen wie ich mit dem Lampenfieber und der Aufregung umgehen. Viel wichtiger als die Perfektion ist die Freude an der Musik. Ich möchte allen Organisten und Musiklehrerinnen und Musiklehrern, insbesondere meinem Lehrer Felix Pachlatko, für ihren Einsatz beim Vermitteln der Freude an der (Orgel-)Musik danken, danken dafür dass sie uns auch herausfordern.


Zum Herz: beim Musizieren braucht es das Herz, es verbindet die Hände mit den Füssen, den Geist mit den Gefühlen. Das Berauschende am Musizieren ist, wenn beim Üben eines neuen Stückes plötzlich aus einzelnen Musiknoten, aus einzelnen Klängen oder Stimmen ein Ganzes wird. Das Herz hat einzelne Noten zu Musik verbunden. Oft erkennt man ja auch nur teilweise die Intention des Komponisten, man erahnt etwas. In der Kurzgeschichte "Johann Sebastian Bach auf Rügen" aus dem Band Sommerlügen von Bernhard Schlink sagt der Vater dem Sohne: "Bach versöhnt das Widerstrebende. Das Helle und das Dunkle, das Starke und das Schwache, das Vergangene…." Das zu erahnen, bei einsamen Spiel am frühen Morgen im Münster, allein mit dem Putzpersonal, ist ein Geschenk. Deshalb habe ich Ihnen vorher drei Choralvorspiele von Johann Sebastian Bach gespielt. Die Familie Silbermann, Andreas, Gottfried, Johann Andreas, sie haben uns mit Ihren Orgeln in Strasbourg, Soultz, Colmar, Arlesheim, Mulhouse, Walbach, Basel und noch vielen anderen Orten in unserer Region ein grossartiges Geschenk hinterlassen. Diese Orgeln verbinden uns in der Region. Sie zu pflegen und zu erhalten ist eine tolle Aufgabe. Allen die dazu beitragen möchte ich im Namen des Regierungsrates danken. Auch diese Jubiläumsfeier verbindet: Junge Musiker mit erprobten Musikern, die Musiker mit dem Publikum, Frau Pegoraro mit mir, Basel – Landschaft mit Basel – Stadt. Ein schönes Zeichen über den manchmal beschwerlichen Weg der Partnerschaft hinweg.Die tiefen Töne des Pedals kommen wie aus den Tiefen des Bauchs. Hier sind die Gefühle lebendig, sie sind das Fundament. In der Musik dürfen sie aber auch nicht dominieren, sie müssen sich einordnen zum Ganzen. Neben dem Gefordertwerden und Verbinden ist Musik Nahrung.

Die Musik nährt uns auf eine ganz eigene Art und Weise. Sie ist Erholung und Kraftspender. Es ist unabhängig welche Musik, welche Stilrichtung aus welcher Tradition oder aus welchem Kulturkreis. Deshalb möchte ich allen Musikerinnen und Musikern für Ihren Beitrag als Solisten, als Orchestermusiker, als Lehrer oder Lehrerin oder als Komponist danken. Ohne ihren Beitrag wäre unsere Kulturregion Basel ärmer.

Der Dank geht an die Schülerinnen und Schüler der Musikschule Arlesheim, Herrn Moritz Fiechter, Organist der reformierten Kirche Arlesheim, Annemarie und Jean-Claude Zehnder, Organisten hier im Dom von Arlesheim, Markus Schwenkreis, Arlesheim/Binningen und Jörg-Andreas Bötticher Organist an der Predigerkirche in Basel. Der Dank geht auch an Herrn Peter Koller und allen, die dieses Konzert und diese Jubiläumsfeier mitorganisiert haben.